Heiraten? Dich?? Niemals!!! – Grimms Märchen verquer
am Johannes-Kepler-Gymnasium
Die Brüder Wilhelm und Jakob Grimm hatten es nicht leicht mit ihren Prinzessinnen, die sie sich für ihr einzigartiges Theatererlebnis Best of Grimms in dieser Woche am Johannes-Kepler-Gymnasium herausgepickt hatten. Keine wollte den rettenden Prinzen bei den beiden spritzigen und witzigen Aufführungen auch nur m Heiraten? Dich?? Niemals!!! Das bekam der geplagte Prinz (Philipp Glaser) mehr als einmal zu hören. Erst von der Prinzessin des Froschkönigmärchens (Viola Besemer), dann jagte ihn Dornröschen (Medine Rexhaj) zum Teufel und auch Schneewittchen (Sanja Sasikavon) hatte kein Auge für ihn übrig. Unglücklich stakste der Prinz mit riesiger Brille auf der Nase über die Bühne und konnte erst dann einen phänomenalen Erfolg bei der Frauen-, pardon, der Prinzessinnenwelt feiern, als ihm das Spieglein an der Wand (Franziska Mück) erklärte, er solle doch einmal die Brille absetzen. Der Erfolg war umwerfend! Kreischend jagten die Prinzessinnen, allen voran Schneewittchen, den entsetzten, ohne Brille zum Traummann mutierten Prinzen über die Bühne. Mit dieser Jagd ging ein pfiffiger Theaterabend zu Ende, der dem Publikum viel Spaß und Kurzweil bescherte. Der witzige Text von Beate Rüter spielt mit allen Auswüchsen und Moden unserer Zeit. Sei es mit den ewigen Casting Shows, bei der sich die Brüder Grimm (Janina Grund, Lene Stauß, Davide Prosperino) finanziell so verausgaben, dass sie sich keinen teuren Prinzen mehr leisten können und den ersten besten aus dem Publikum nehmen müssen. Sei es mit Harry Potter, wenn der Zauber der Fee, um einen besseren Prinzen herbeizuzaubern, nur deshalb versagt, weil die Brüder seit zehn Jahren keine gute Tat mehr begangen haben. Und ein zweiter Versuch der Fee (Delaine Fadini) werde von der Zauberbehörde sofort mit dem Entzug der Zauberkraft geahndet. So bleibt den armen Brüdern nichts weiter übrig, als ihren Traum eines Theaterstücks mit den besten ihrer Märchen dem Chaos ihrer wild gewordenen Figuren zu überlassen. Da rettet sich Rapunzel (Elena Zaninotto) selbst, denn den gestiefelten Kater (Philip Oesterlin), der als Retter auf ihre Kontaktanzeige nach einem Kater zum Schmusen erscheint, will sie nicht. “Alles muss man heute selbst machen”, grummelt sie nur noch, ehe sie sich selbst vom Turm herabschwingt. Der Kater ist natürlich ebenso angewidert, weil sich die tolle Katze aus der Annonce als langhaarige blonde Zicke entpuppt. Alles einfach herrlich verquer mit viel köstlichem Sprachwitz und vielen reizenden Regieeinfällen. Die Unterstufentheater-AG unter der Leitung von Frau Preugschat hat auch dieses Jahr wieder Großes geleistet. Nach einer starken Stunde und einem herzlichen Applaus war der Grimm-Spuk viel zu schnell vorbei. Voll herrlicher Bilder nach der ausgiebigen Massage des Zwerchfells machte sich das Publikum beglückt und beschwingt auf den Heimweg.
Stuttgart-Bad Cannstatt