Carmen mal anders
Fast jedem ist der Name Carmen im Zusammenhang mit einem Opernstück bekannt. Der arme Soldat Jose versucht die Liebe der rassigen Senorita Carmen zu gewinnen, welche ihm den Kopf verdreht hatte. Diese hat aber nur sich selber im Kopf, Schmugglerei und andere Männer. Jose macht sich durch seine Liebe zu Carmen unglücklich, da Carmen ständig mit anderen Männern rumhängt und sie es grundsätzlich nicht brauchen kann, wenn ihre Freiheit eingeschränkt wird. Er wird durch seine Eifersucht zum Mörder und tötet sogar seinen Vorgesetzten, der ebenfalls angetan war von Carmen und diese sowieso nie nein sagt zu Verehrern. Er ist von nun an auf der Flucht und wird auch Schmuggler in der Hoffnung Carmen so immer nahe zu sein, aber da hat er sich verrechnet, denn Carmen schmeißt sich trotz allem an jeden nächst Besten ran, bis es Jose irgendwann mal stinkt und er nach dem Motto:,, Wenn ich sie nicht haben kann, soll sie keiner haben“, umbringt. Aktuell ist das Stück allemal, die Sprache klingt aber im Ursprungswerk nicht mehr ganz so modern. Wie bringt man dem gemeinen Volk der Neuzeit nun dieses zeitgemäße Stück in einer ihm verständlichen Sprache nahe? Ein Ding der Unmöglichkeit. Doch ein kleiner Trupp mutiger Guerillakämpfer, die sich tollkühn die Literatur und Theatergruppe nennen, scharte sich um ihren Anführer Herrn Krämer, um Carmen von ihren antiquierten Fesseln zu befreien, um sie mittels Stift, Papier und einer ordentlichen Portion Kreativität in die Moderne zu entführen. Als Ausbildungscamp und Schmiede für diese heimtückischen Pläne diente der Musiksaal des Johannes-Kepler Gymnasiums in Stuttgart Bad Cannstatt sowie der Bürgersaal in der Sporthalle Münster. Das hört sich jetzt zwar ziemlich dramatisch an, in der Realität jedoch lief das aber völlig gewaltlos ab. Die Literatur und Theatergruppe ist nämlich keine Widerstandsgruppe oder eine derartige Organisation, sondern gehört zu einem Projekt, an Schulen in Baden- Württemberg ein zweistündiges Fach einzuführen, das sich - wie der Name schon sagt - mit literarischen Texten befasst, gegebenenfalls selber welche verfasst oder bereits vorhandene umschreibt. Weiterhin werden die Praktiken und Kniffe des Theaterspielens vermittelt. Nun hat auch eine erlesene Anzahl von Grünschnäbeln am Johannes-Kepler Gymnasium den Schritt gewagt, ihr Kreuzchen auf ihrem Wahlzettel an die Stelle des Faches Literatur und Theater zu setzen, um in den Genuss der literarischen und theatralischen Ergüsse ihres diensteifrigen Lehrers Herrn Krämer zu kommen, der sich für das erste Jahr in diesem Fach vorgenommen hatte, die Oper Carmen nachzuspielen. Jedoch nicht in ihrer ursprünglichen Form, nein ganz und gar nicht, denn die Oper soll eine Mischung aus modernen und alten Szenen darstellen, bei der aber die eigentlichen Grundzüge des Urstückes trotzdem erhalten bleiben. Jede einzelne Szene wurde von den Schülern und Schülerinnen mit der Vorkenntnis der ursprünglichen Werke von George Bizet bzw. Prosper Mérimée, die als Grundlage dienten, selbst neu geschrieben, wodurch ihnen ein ganz neuer individueller Charakter und ein Hauch Hollywood verliehen wurde. Da kann es sein, dass aus einem stolzen Torero ein erfolgreicher Fußballstar wird, der es leid ist immer nur mit jungen Groupies abzuhängen und sich nach einer richtigen und unabhängigen Frau sehnt mit Feuer im Blut wie die schöne Carmen eine ist. Diese jedoch wird von vielen verehrt und da kann es dann auch schon mal sein, dass man um sie kämpfen muss, aber nicht in Kinderfaschingmanier mit Dolch und Degen, sondern wie soll es auch anders sein mit einem Laserschwert, welches uns eigens für unser Stück von George Lucas zur Verfügung gestellt wird. Etwas völlig neues wird auch die Art sein, mit der bestimmte Dinge auf der Bühne dargestellt werden, z.B. ein Tresen wie auf dem Bild dargestellt, mit Cola Kisten. Man merkt schon jetzt, dass das Stück Carmen durch die Neuinterpretation der Schüler der zwölften Klasse einen individuellen Charakter gewinnt und ein enormes Stück in der Zeitleiste nach oben klettert und somit sprachlich präsenter daherkommt. Das schuleigene Orchester heizt zudem noch, als gleichgestellter Projektpartner, dem Publikum mächtig ein und wird durch ihren Einsatz das Ende mancher Szene musikalisch abrunden. Sollte das Euer Interesse geweckt haben oder wenn Ihr sowieso mal wieder was fürs „Kulturelle“ tun wollt, dann steckt eure Nase doch einfach in unser kabarettistisch angehauchte Interpretation von Carmen. Die Aufführungen finden am 12. und 13. Juni statt und beginnen um 19 Uhr. Schauplatz ist der Bürgersaal der Sporthalle in Münster. Karten gibt es bei uns an der Schule, beim Bücher Wagner und an der Grund und Hauptschule Münster und natürlich an der Abendkasse. Über ein reges Interesse würden wir uns sehr freuen.
Stuttgart-Bad Cannstatt