Zauberei am Kepler – Goethe lebt
„Klatsch, Klatsch in die Hände“, so schien Goethes Zauberlehrling dem Publikum am Dienstagabend im Musiksaal des Johannes-Kepler-Gymnasiums befohlen zu haben, denn der Beifall, der einen zauberhaften Chor- und Theaterabend beschloss, wollte kein Ende nehmen. Eröffnet wurde der Abend mit einem Lloyd Webber Potpourri, dessen Melodien von Memory aus Cats bis zum düster romantischen Ende des Phantoms der Oper reichte. Mächtig hatte sich der Chor unter der Leitung von Frau Stephanie Gießler ins Zeug gelegt. Er intonierte die Lieder packend und stimmig. Solistische Stellen wechselten sich ab mit Chorsätzen, Männer- und Frauenstimmen warfen sich die Liebessehnsucht gegenseitig zu, die für das Phantom tragisch enden musste, für den Chor nicht. Denn seine Qualität hat sich seit dem letzten Auftritt weiter gesteigert, so dass er rundum überzeugen konnte. Die drei verzweifelten Aufschreie des letzten Chorsatzes leiteten über zur theatralischen Umsetzung von Wolfgang von Goethes Ballade DER ZAUBERLEHRLING, denn genau diesem Lehrling war sicher nach den Schreien des Phantoms zumute, wurde er doch die Geister, pardon den Besen, den er rief einfach nicht mehr los. Ehe aber das Chaos im Haus des alten Zaubermeisters (Pauline Mütschele) so richtig los brach, wurde das Publikum erst einmal in die Zauberwelt entführt. Vor seinen Augen verwandelte sich die graue Bühne in ein grünes Paradies, in das sich Kinder vor der grauen Wirklichkeit flüchten. Ihnen hilft der Meister erst einmal ihre Dämonen Eifersucht, Neid, Bosheit und Missgunst zu besiegen, um sie dann gestärkt zu ihren zurück nach Hause zu schicken und selbst auf den Zauberkongress zu eilen. Jetzt schlägt die Stunde des Zauberlehrlings (Gerry Krasteva). Von wegen Putzen. Er will Party. Eine Putzparty! Und schon läuft der Besen (Jonathan Müller), schleppt Eimer um Eimer und treibt den Eleven des Zauberers zur Verzweiflung. Und so hackt dieser schließlich auf den Besen ein. Doch statt der Rettung sieht er sich nun einer Wasser schleppenden Besenfamilie gegenüber. „Hilfe, Hilfe!“ Von diesem Schrei beim Kongress gestört, eilt der alte Meister schnell herbei: „Besen, Besen seid’s gewesen“. Und schon hat der Spuk ein Ende. Davor allerdings brannten die Schülerinnen und Schüler unter ihrer Leiterin Ingrid Scheiber ein sprühendes Feuerwerk an Einfällen ab. Sprachwitz, Homagen an Harry Potter und immer wieder die Rückkehr zu Goethes Originaltext machten diesen im wahrsten Sinne zauberhaften Abend zu einem Fest. Es war klar: an diesem Abend war Goethe am JKG putz-lebendig.
Stuttgart-Bad Cannstatt