Debating am Johannes-Kepler-Gymnasium

Seit 2003 besteht die Debating AG am Johannes-Kepler-Gymnasium. In ihr treffen sich Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7, die Freude an der englischen Sprache haben, diese außerhalb des Unterrichts pflegen und ihr eigenes Sprachvermögen intensiv erweitern wollen. Gearbeitet wird in zwei Gruppen, den Juniors (Klassen 7-9) und den Seniors (Klassen 10 – 12).
Was ist Debating ?
Bei der englischen Form des Debattierens versucht die Regierung (Proposition) ihre Position zu einem vorgegebenen Thema (Motion) gegen die Opposition durchzusetzen. In diesem 1988 in Australien entwickelten World Schools Debate Format stehen sich zwei Mannschaften zu je 3 Sprechern gegenüber, von denen jeder eine klar festgelegte Aufgabe zu erfüllen hat. Kompromisse gibt es bei Debating, den Gepflogenheiten des englischen Unterhauses folgend, nicht.
Der erste Sprecher der Proposition definiert das Thema, stellt die Verteilung der Argumente der Regierung auf die einzelnen Sprecher vor (Teamline), führt in das Thema ein und entfaltet die ihm zugewiesenen Argumente.
Der erste Sprecher der Opposition nimmt Stellung zur Definition der Proposition, widerlegt einzelne vorgebrachte Positionen, stellt die Teamline der Opposition vor und entwickelt deren Argumente>
Die zweiten Sprecher widerlegen ebenfalls einige der vorgebrachten Argumente der Gegner und vertiefen die Positionen ihrer jeweiligen Partei.
Die dritten Sprecher konzentrieren sich nur mehr auf das Widerlegen der Positionen der Gegenpartei (Rebuttal), um schließlich ihre Rede mit dem Hervorheben der Standpunkte ihrer Seite zu schließen.
Der Sprecher der Proposition kann noch ein kleineres neues Argument in den Raum stellen, sofern dies in der Teamline angekündigt wurde, da der dritte Sprecher der Opposition Gelegenheit hat, zu diesem Punkt Stellung zu nehmen. Abgeschlossen wird die Debatte mit einem Schlussplädoyer (Reply Speech), wobei der Sprecher der Opposition beginnt. Hier werden die Positionen beider Seiten gegeneinander gestellt und noch einmal kurz begründet, warum die eigene Seite gewonnen hat. Die Redezeit beträgt für die einzelnen Sprecher in der Senior League jeweils acht Minuten, in der Junior League sechs Minuten, das Schlussplädoyer vier bzw. drei Minuten. Die Reden können jeweils, außer in der ersten und in der Schlussminute, durch Zwischenrufe der Gegenpartei (points of information) unterbrochen werden. Der Sprecher muss zwei solcher Zwischenrufe während seiner Rede annehmen und beantworten. Während des Schlussplädoyers sind keine Zwischenrufe erlaubt.Drei Wertungsrichter (Judges) beurteilen die Reden der Sprecher nach Stil, Inhalt und Strategie, d.h. wie die Mannschaft als Team zusammenarbeitet.
Was macht den Reiz von Debating aus?
Debating führt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Fragen. Es lehrt eigene Positionen überzeugend zu vertreten. Dies ist für jede Schülerin und jeden Schüler ein Gewinn nicht nur für das Fach Englisch und die Schule. Da auch Standpunkte überzeugend zu vertreten sind, von denen man selbst nicht überzeugt ist, wird gleichzeitig das Einfühlungsvermögen und das Verständnis für die Positionen anderer geschult. Letztendlich gelingt es durch Debating, Schüler und Schülerinnen auch für Politik zu interessieren, denn die gestellten Themen fordern sie heraus, sich mit sozialen und politischen Fragen zu beschäftigen, die die Welt bewegen und nicht nur Deutschland.
Darüber hinaus wird auch die Präsentationskompetenz der Schülerinnen und Schüler gefördert, denn das selbstsichere und überzeugende, gleichzeitig aber freundliche Auftreten der Debatierenden spielt bei den Wettbewerben eine große Rolle. Automatisch wächst so das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, schließlich müssen sie sich überwinden, vor eine Reihe kritischer Zuhörer zu treten und ihre eigene Position standhaft zu vertreten.
An welchen Wettbewerben nehmen wir teil?
Unsere Schülermannschaften nehmen jedes Jahr an der Junior- und der Senior League der Debating Society Germany teil. Auf Wunsch der Schülerinnen und Schüler haben wir jetzt auch schon mehrere Jahre an den Germans und auch der EurOpen teilgenommen. Bei dem letztgenannten Wettbewerb treffen unsere Debater im Kampf um das bessere Argument auf Mannschaften aus der ganzen Welt. Völlig überraschend hat das Team aus der Türkei bei den EurOpen 2011 in Stuttgart das Team aus Kanada geschlagen. Dies zeigt, dass sich auch Nichtmuttersprachler gegen ein muttersprachliches Team durchsetzen können. Wie heißt es bei den Debatern doch gleich: Das bessere Argument zählt und nicht das perfekte Englisch, denn sprachliche Fehler werden nur bestraft, wenn diese das Verständnis unmöglich machen.
Juniors am JKG

Um die Schüler langsam an die anspruchsvollen Themen aus Politik und Gesellschaft heranzuführen, wird gerade in der Junior League zu Übungszwecken auch viel über sogenannte „Spaßthemen“ debattiert (z.B.: Christmas presents should be abolished / Weihnachtsgeschenke gehören abgeschafft). Dies weckt die Kreativität der Schülerinnen und Schüler und macht den freiwilligen Nachmittagsunterricht oft zu einer heiteren Veranstaltung mit viel Lachen.
Stuttgart-Bad Cannstatt