Hinweise zum Abfassen einer Interpretationsarbeit
Die Interpretation hat im Allgemeinen drei Ebenen
1. Reproduktion: Wiedergabe des Inhaltes eines Textausschnittes ( kurz)
1.1. Textparaphrase, in der gezeigt werden soll, dass Handlungszusammenhänge, Abläufe und Figurenkonstellationen grundsätzlich verstanden werden. 1.2. Sprachliche Besonderheiten, texttypische Auffälligkeiten werden hier schon genannt. 1.3. Fragestellungen zu den Figuren und ihrer Funktion in der jeweiligen Textsorte sollten am Ende dieses ersten Teils, den man als textbezogene Einleitung betrachten kann, stehen.
2. Reorganisation: Einordnung der Textpassage in den Handlungszusammenhang des Werkes (länger)
2.1. Die Figuren werden in ihrem Handeln, ihren Gefühlen, ihren Intentionen vor dem Textausschnitt ausgeleuchtet. Daraus werden Rückschlüsse für die Analyse des Textausschnittes gezogen. 2.2. Figuren werden begründet in Haupt- und Nebenfiguren eingeordnet. Welche Rolle spielen die Nebenfiguren für die Hauptfiguren? Sind Spannungen, Brüche in der Entwicklung der Figuren festzustellen? 2.3. Entwicklung der Figurenkonstellation über die Textstelle hinaus. Welche Entwicklung (auch psychischer Natur) ist in, bei den Personen auszumachen? Wie verläuft die Entwicklung? Gibt es ein Handlungsziel, Wünsche der Personen? Werden sie erreicht, wenn ja/nein, warum? Diese Fragen sollten präzise beantwortet werden.
3. Transfer: Was steckt hinter der Handlungsebene? ( ganz lang)
3.1. Hier muss die Übertragungsleistung gemacht werden, was soll das Handlungsszenario bedeuten? Die wichtigste Frage lautet an dieser Stelle immer: Warum handeln, denken, fühlen die Personen so? Hier ist nicht die Handlungsebene zu wiederholen, indem sie nochmals beschrieben wird, hier muss die zentrale Frage: Was will der Autor damit sagen?!!!, beantwortet werden. 3.2. Die Sprache transportiert die Gedanken, sie ist in der Regel nicht zufällig, sondern zielgerichtet eingesetzt worden. Deshalb sind die sprachlichen Mittel (Syntax=Satzbau, Semantik=Mittel/Sprachzeichen zum Ausdrücken der Inhalte) zu deuten? Was will der Autor mit einer Metapher sagen, warum verwendet er Hypotaxen, warum stehen hier Elipsen usw? Die Sprachbetrachtung ist also im funktionalen Zusammenhang zu untersuchen. 3.3. Bei der Deutung sollte man zwei Ebenen einbeziehen: a) Was will der Autor in seiner Zeit, seinem Publikum, seinen Lesern mitteilen? b) Wie ist -von heute aus betrachtet- die verschlüsselte Mitteilung des Autors einzuordnen? Welche Rückschlüsse auf die Position des Autors lassen sich ziehen?
4. Schlussbemerkungen: Sie lässt sich oft aus 3.3. b) ableiten(ganz kurz)
Distanzierte Bemerkung. Auf keinen Fall: Ich finde der Autor hat Recht! oder Der Figur xy geschieht es Recht!
Christel Röhling
Stuttgart-Bad Cannstatt