Ein musikalischer Ausstellungsbesuch in der Stadtkirche
Das Schulorchester des Johannes-Kepler-Gymnasiums entführte am letzten Donnerstag die zahlreichen Zuhörer in der Stadtkirche in eine russische Bilderausstellung, ehe der Schulchor im zweiten Teil des Kon-zertes trotz des außen niedergehen-den Regens mit richtigen Sommer-gefühlen aufwartete. Launig führte Herr Burda, der Leiter des Orchesters, in die Geschichte Modest Musorgskijs Werk „Bilder einer Ausstel-lung“ ein, das der Komponist seinem früh verstorbenen Freund, dem Maler und Ar-chitekten Viktor Hartmann geweiht hat. Eine Ausstellung, die die Freunde Hartmanns ein Jahr nach dem Tode des Architekten und Malers auf den Weg gebracht hatten, nahm Mussorgskij zum Anlass, seine Eindrücke beim Gang durch die Ausstellung und dem Betrachten der Bilder in Musik umzusetzen. Weit ist die Bandbreite der Mu-sik, die in den Köpfen der Zuhörer Bilder entstehen lassen, noch verstärkt durch die Bilder, die während der Suite, an die Wand der Stadtkirche geworfen wurden. Ruhig und getragen führte die Promenade von Bild zu Bild. Diabolisches, Kapriziöses und Beschwingtes wechselten sich ab, in den schon zu klassischen Ohrwürmern gewor-denen Melodien wie etwa dem Ballett der Küchlein in den Eierschalen und Gnomus. Das Orchester der Schule wurde den Nuancen dieser großartigen Musik gerecht und verführten immer wieder zu spontanem Beifall. Alle waren sich am Ende dieser ge-konnten Museumsführung einig, dass dieses Schulorchester inzwischen zu einem harmonischen, strahlenden Klangkörper herangereift ist. Nach dem musikalischen Museumsbesuch lockte der Chor wieder hinaus ins Freie. Mit Lemon Tree von Fools Garden und Summer Nights aus dem Musical Grease be-gann ein Melodienreigen, der auch noch zu den lauschigen Ufern des „Moon River“ von Henry Mancini führte. Den Rahmen des Ganzen bildete der besinnliche Ein-gangssatz Cynthia Numns „He’s our hope“ und der abschließende Schlusschor „Happy Ending“ von Mika, mit dem die Zuhö-rer beschwingt und erfüllt in die regennasse Sommernacht entlassen wurden. Doch zuvor hatten sich alle noch einmal begeistert mit viel Applaus bei der Chorleiterin Frau Tränkle, dem Orchesterleiter Herrn Burda und den Schülerinnen und Schülern für einen kurzwei-ligen Abend bedankt.
Zauberei am Kepler – Goethe lebt „Klatsch, Klatsch in die Hände“, so schien Goethes Zauberlehrling dem Publikum am Dienstagabend im Musiksaal des Johannes-Kepler-Gymnasiums befohlen zu haben, denn der Beifall, der einen zauberhaften Chor- und Theaterabend beschloss, wollte kein Ende nehmen. Eröffnet wurde der Abend mit einem Lloyd Webber Potpourri, dessen Melodien von Memory aus Cats bis zum düster romantischen Ende des Phantoms der Oper reichte. Mächtig hatte sich der Chor unter der Leitung von Frau Stephanie Gießler ins Zeug gelegt. Er intonierte die Lieder packend und stimmig. Solistische Stellen wechselten sich ab mit Chorsätzen, Männer- und Frauenstimmen warfen sich die Liebessehnsucht gegenseitig zu, die für das Phantom tragisch enden musste, für den Chor nicht. Denn seine Qualität hat sich seit dem letzten Auftritt weiter gesteigert, so dass er rundum überzeugen konnte. Die drei verzweifelten Aufschreie des letzten Chorsatzes leiteten über zur theatralischen Umsetzung von Wolfgang von Goethes Ballade DER ZAUBERLEHRLING, denn genau diesem Lehrling war sicher nach den Schreien des Phantoms zumute, wurde er doch die Geister, pardon den Besen, den er rief einfach nicht mehr los. Ehe aber das Chaos im Haus des alten Zaubermeisters (Pauline Mütschele) so richtig los brach, wurde das Publikum erst einmal in die Zauberwelt entführt. Vor seinen Augen verwandelte sich die graue Bühne in ein grünes Paradies, in das sich Kinder vor der grauen Wirklichkeit flüchten. Ihnen hilft der Meister erst einmal ihre Dämonen Eifersucht, Neid, Bosheit und Missgunst zu besiegen, um sie dann gestärkt zu ihren zurück nach Hause zu schicken und selbst auf den Zauberkongress zu eilen. Jetzt schlägt die Stunde des Zauberlehrlings (Gerry Krasteva). Von wegen Putzen. Er will Party. Eine Putzparty! Und schon läuft der Besen (Jonathan Müller), schleppt Eimer um Eimer und treibt den Eleven des Zauberers zur Verzweiflung. Und so hackt dieser schließlich auf den Besen ein. Doch statt der Rettung sieht er sich nun einer Wasser schleppenden Besenfamilie gegenüber. „Hilfe, Hilfe!“ Von diesem Schrei beim Kongress gestört, eilt der alte Meister schnell herbei: „Besen, Besen seid’s gewesen“. Und schon hat der Spuk ein Ende. Davor allerdings brannten die Schülerinnen und Schüler unter ihrer Leiterin Ingrid Scheiber ein sprühendes Feuerwerk an Einfällen ab. Sprachwitz, Homagen an Harry Potter und immer wieder die Rückkehr zu Goethes Originaltext machten diesen im wahrsten Sinne zauberhaften Abend zu einem Fest. Es war klar: an diesem Abend war Goethe am JKG putz-lebendig.
Stuttgart-Bad Cannstatt