Pressebericht "Theater Vorführung"
(Cannstatter Zeitung, 12.03.1997)
Schüler spielen Theater grenzenlos "Plätze, Passanten": Deutsch-Französiches Schulprojekt im Kepler Gymnasium
Philipp mit Martina, Nadia mit Florian: Französische und deutsche Gymnasiasten standen am Montag gemeinsam auf der Bühne beim Theaterstück "Plätze und Passanten", eine Co-Produktion des Bad Cannstatter Johannes-Kepler- Gymnasiums und des Lyceé Rene Cassin Strasbourg. "Aussi un livre - schon wieder ein Buch" bemerkte Philipp Culmann im Parc de l´Orangerie ganz cool und zieht seinen Revolver. Vorsicht Theater! Hier wird scharf geschossen und ein scharfes Französisch gesprochen. Tatort "Plätze, Passanten", ein bunter, deutsch-französischer Szenenmix, initiieren und inszeniert von Gymnasiasten und ihrer Lehrer. Zwei Großstädte, Partnerstädte zwar, verschiedener Nationen, aber mit sehr verschiedenen Mentalitäten. Gemeinsamkeiten und Gegensätze vor der kargen Kulisse im Musiksaal des Johannes-Kepler-Gymnasiums aufgezeigt. Eine interessante Bestandsaufnahme: Mut zum Mummenschanz und musikalischer Mehrarbeit mit einem unsichtbaren Stockorchester zeigten die Gymnasiasten aus Strasbourg. Frech, sogar brutal, aber immer mit einem Augenzwinkern. Ihre deutschen Partner ließen es dafür poetisch angehen. Stuttgart melancholisch, unterstützt von Klarinette und Gitarre. Deutscher Humor, selbst im Zeicehn von Euro und Europa gänzlich anders als Französischer, bei "Plätze, Passanten" oft kopflastik, bei fehlender pantomimischer Unterstützung getragen vom gesprochenen Wort. Wenig Unterstützung für die französischen Gäste, die stelleneise mit tiefstem Schwäbisch konfrontiert werden. Da wurde selbst die Suche nach der Bolzstraße zu einem schwermütig-komischen Akt mit beachtlichem Tiefgang. Spannung durch Szenenwechsel: "Im Schloßgarten" und dann wieder Place de la Cathedral, in der alten Kanzlei und einer französischen Bushaltestelle - hoch leben die kleinen Unterschiede. Und die Gemeinsamkeiten: Theater in der Schule, aus der Improvisiation entstanden, mit Herzblut, Enthusiasmus und einer gehörigen Portion Mut gespielt. Glückwunsch den Schülern aus Stuttgart und Strasbourg, die es schafften, trotz aller Unterschiede ihre Gemeinsamkeiten deutlich zu machen.
Stuttgart-Bad Cannstatt