Sinfoniekonzert in der Stadtkirche
Vom barocken Lebensgefühl zum ungarischen Feuer

Mit einem Melodienbogen voll barocken Lebensgefühls und ungarisch anmutendem Tanzfeuer lockte am Sonntag das Kammer- und Sinfonieorchester des Johannes-Kepler-Gymnasiums in der Stadtkirche seine Zuhörer in das Reich der Musik. Johann Christian Bachs (1735 – 1782) Sinfonia D-Dur op. 18/4 spannte gleich zu Anfang einen breiten Bilderbogen. Die 17 Schülerinnen und Schüler des Kammerorchesters der Schule, das zum ersten Mal in so großem Rahmen auftrat, riefen mit den zarten, lockenden und schmeichelnden Melodien in idyllische Phantasielandschaften, die sich im letzten Satz des Rondo Presto geradezu zu einem Schwarzwaldzauber verdichteten. Kuckucksklänge schienen immer wieder diesen fröhlichen Melodienreigen zu durchziehen. Zwar reichten die Köpfe der beiden Hornisten selbst stehend kaum über die hochgeschraubten Notenpulte, aber es gelang ihnen und allen jungen Musikern eine lebendige und überzeugende Interpretation der Sinfonie des Sohnes von Johann Sebastian Bach. Es folgte das Brandenburgische Konzert Nr. 5 in D-Dur von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Man meinte den drei Soloinstrumenten, Violine (Matthias Müller), Flöte (Roland Morlock) und Cembalo (Hildegund Treiber) bei einem Gespräch über die wichtigen Dinge des Lebens zuzuhören. In das Gespräch mischte sich mit breiten Streicher- und Bläsereinsätzen immer wieder zustimmend und die Aussagen untermauernd das Sinfonieorchester der Schule, das sich aus Schülern, Eltern und Freunden der Schule zusammensetzt. Deutlich abgesetzt waren die melancholischen Töne, die nach dem barocken Lebensgefühl an die Endlichkeit des Lebens erinnern, gegen Phrasen sprühender Lebensfreude, die auffordern, das eigene Leben zu nutzen und auszukosten. Am Ende trug die Lebensfreude trotz der immer wieder eindringenden Melancholie den Sieg davon. Ein Lob hier den glänzend aufspielenden Solisten. Der dämonisch dichte Klangteppich der nun folgenden Sinfonie D-Dur Op. 24 von Jàn Vaclav Vorisek (1791 – 1825) zeigte deutlich die Entwicklung in der Musikgeschichte, die Emotionalität der Romantik hielt ihren Einzug. Spannungs-steigernd jagten sich synkopenhafte Wechsel zwischen Streichern und Bläsern, klopften schicksalhaft die Pauken. Erst im abschließenden Allegro con brio entwanden sich die Geigen in einer zarten ruhig geführten Melodie dem dämonischen Wirbel. Den Abschluss des mitreißenden Konzerts bildeten zwei Slawische Tänze von Anton Dvorák. Für sie hatte Dvorak Dynamik, Rhythmus und Feuer der Brahmschen Ungarischen Tänze übernommen und in seine eigene Klangsprache übertragen, die das Publikum mitriss. Rauschender Beifall dankte den Orchestern und seinem Dirigenten Dietrich Müller für ein gelungenes Konzert, das die Zuhörer mit der Vorfreude auf ein Wiederhören im nächsten Jahr in den Maienabend entließ.
Martin Sauer
Stuttgart-Bad Cannstatt