Ein Konzert romantischer Geschichten
Vom fröhlichen Jagen, von schmerzlich-fröhlicher Lebenslust und heiterer Lebensfreude erzählte das Sinfonieorchester des Johannes-Kepler-Gymnasiums am Sonntag in seinem 15. Konzert, das einen breiten Fächer romantischer Solisten Konzerte für die zahlreichen Zuhörer ausbreitete. Weiche Hörnerklänge hallten durch Stadtkirche.In G. Ph. Telemanns (1681-1767) Hornkonzert D-Dur erzählten die Solisten Deborah Brehm und Axel Perschmann gekonnt von einer Jagd. Die ruhigen samtenen Klänge der Hörner steigerten sich zum Jubel, der die erfolgreiche Jagd zu schließen schien. Nachdem der verdiente Beifall verrauscht war, und wieder aufklang, um die zweite Solistin des Abends, Leandra Brehm, zu begrüßen, mag sich der eine oder andere suchend nach der Solistin umgeschaut haben, ehe er sie schließlich registrierte. Was der Schülerin der 5. Klasse noch an Körpergröße fehlte, machte sie durch die exzellente Beherrschung ihrer Klarinette wett. Dunkel, fast drohend setzt das Concertino für Klarinette in Es-Dur op 26 von C.M.v. Weber ein. Mit schmelzend melancholischen Klängen versucht sich das Soloinstrument diesem drohenden Dunkel zu entziehen. Je weiter das Instrument dieses Drohende zurück lässt, desto quirliger werden die Läufe aufschäumender Lebensfreude, die abrupt im Schlusstriller enden. Glücklich lächelnd konnte Leandra den tosenden Applaus annehmen, ehe sie ihrer ältesten Schwester Tabea den Platz auf der Bühne frei gab. C.M. v. Webers Konzert für Fagott F-Dur op. 75 schreitet zu Beginn ruhig und fröhlich voran. Tapsig glaubt man die Schritte eines alten Mannes zu hören, der nach kurzen Verschnaufspausen wieder voranschreitet und dabei seinem Enkel weiter seine Geschichten erzählt.
Purzelnde Tonkaskaden jagen sich, wenn der Alte einmal gar zu sehr aufzutragen scheint. Einfühlsam erzählte Tabea diese Geschichte auf ihrem Fagott und verstand es den Witz und das Vergnügen, den das Werk besitzt, auf die Zuhörer zu übertragen. Selbst ein in sich zusammenfallender Notenständer hinderte die Solistin nicht daran, die Geschichte des knitzen, fabulierenden Alten in der Notenwelt Webers hervorragend zu Ende zu erzählen. Den Abschluss bildete die Sinfonie in A-Dur von C. Saint-Saëns (1835 – 1921), die die Erinnerung an vergangene Zeiten der Romantik aufleben ließ. Noch einmal schienen die Klänge der vorangehenden Werke am Ohr vorbeiziehen. Noch einmal glaubte man den anfangs düsteren Grundton Webers zu hören, dann wieder das Schreiten der Hörner, ehe das Werk mit einem Gesang der Lebensfreunde einen unvergesslichen Konzertabend verklingen ließ. Dem Dirigenten Dietrich Müller ist es in den 15 Jahren Orchesterarbeit gelungen immer mehr junge Schülerinnen und Schüler in das große Sinfonieorchester des Johannes-Kepler-Gymnasiums zu integrieren, das seine Musiker hauptsächlich unter Eltern und Ehemaligen der Schule findet. Mit dem Auftritt gleich dreier Schwestern als Solistinnen und einem Schüler, alle aus der Unter- und Mittelstufe, fand diese Arbeit und auch dieses Jubiläumskonzert eine würdige Krönung und lässt die begeisterten Zuhörer dieses immer wieder über sich hinaus wachsenden Orchesters schon vom Konzert im nächsten Jahr träumen.
Stuttgart-Bad Cannstatt