The Genesis Roadshow am JKG

I'm going to send out a dove, ich werde eine Taube aussenden. Mit diesen Worten Clems (Therese Bauer), einer der Überlebenden im Spiel um die 2. Schöpfungsgeschichte, endet das Stück The Genesis Roadshow zum letzteten Mal am 15.3.1999 im Johannes-Kepler-Gymnasium. Das Licht geht aus, nur der Blick auf eine leere Hand bleibt, ehe das Licht verlöscht. Im zum Atomschutzbunker umgestalteten Musikssal bleibt dem zweiten Noah nicht einmal mehr ein Taube, die er aus der modernen Arche hinausschicken kann. Heiter, zum Lachen komisch und doch wieder voll tragischem Ernst. Mit dem Stück The Genesis Roadshow gelang der auf Englisch agierenden Theatergruppe dieses Jahr ein spannender Balanceakt um ein altes und doch wieder modernes Thema. Überlebende einer undefinierten nuklearen Katastrophe werden von Godling, einem überragend agierenden Pascal Pöschko, und dessen Gehilfinnen Myclog (Äkaterini Kourti) und Gablid (Susanne Hüppe) mit Hilfe des verspielten Mumpsies (Daniel Hein) dazu verführt noch einmal die Schöpfungsgeschichte durchzuspielen. Schnell ist eine atemberaubende Eva (Martina Kljunic) gefunden, die sowohl ihrem Adam als auch einem anderen Überlebenden den Kopf verdreht. Doch dieser neuen Genesis sind enge Grenzen gesetzt, nur aus Koffern und mitgebrachten Gegenständen gilt es den Zauber der Geschichte zu wecken. Ein Lammfell und ein Putzlumpen genügen für ein Schaf, dem Adam gekonnt den Namen sheep im Singular und Plural gibt. Verstehbarer Sprachwitz in der Fremdsprache löst sich ab mit dem Sarkasmus der Götter, die Adam (Jakob Barabosz) warnen, dass er den Wunsch nach einem Wesen besonders für die Nacht irgendwann bereuen werde. Die Reue lässt nicht lange auf sich warten. Unvermittelt findet sich Eva im Bus dem Teufel gegenüber. Wenninger.jpg (8129 Byte)Stephan Wenninger überzeugt gleich in drei Rollen als Teufel. Zuerst verfrachtet er als Schaffner Eva zu seinem Bruder in den Supermarkt. Hier wird Eva zum Apfelbiss verführt, und später verhilft er als Lucifer, genannt Lukey Baby, Adam und Eva als Innocent Twins, zur beim ersten Auftritt scheiternden Popkarriere. Von bösen Fans ihrer Kleider entrissen werden die armen Sünder von Godling aus dem Paradies vertrieben und müssen sich prompt mit ihren Sprösslingen Cain und Abel herumärgern. Besonders Cain (Manjusha Palsule) strapaziert die Nerven ihres ergrauten Vaters (Uwe Menzel) mit ihrer lautstarken Unterstützung des Teams von Sodom United. Der intelligentere Bruder Abel (Konstanze Müller) verlegt sich da schon eher auf das saubere Spiel des Gomorrah FC. Es kommt wie es kommen muss. Nach der Niederlage im nächsten Spiel tötet Cain seinen Bruder. Das Spiel der zweiten Genesis neigt sich dem Ende zu. In Clem finden die frustrierten Götter einen zweiten Noah, dem sie einen erneuten Anfang auftragen, nach einer Sintflut radioaktiven Staubs. Doch Noah/Clem will nicht. Sie sträubt sich gegen den Auftrag dieser Schlangen, gegen die sie sich von Anfang an gewehrt hat. Letztlich bleibt ihr jedoch nichts anderes übrig, da die von Godling zuerst geblendeten Überlebenden sich ihr nun hoffnungsvoll zuwenden. Voll Bitterkeit verweist die so in die Rolle Noahs gedrängte auf die originelle Idee, eine Taube auszusenden, um zu sehen, ob das Leben außerhalb des Bunkers wieder möglich ist. Mit diesem Theaterstück, Regie Martin Sauer, gelang ein Balanceakt zwischen biblischer Geschichte und biblischen Texten und modernem Lebensgefühl, bei dem dieser Bereich oft ausgespart bleibt. Mit dem kargen Bühnenbild und der Knappheit der Requisiten gelang es der Bühnenbild AG unter Leitung von Frau Hartmann die Aussage des Stücks noch zu betonen. Zusätzlichen Reiz erhielt das Stück durch die von Martina Kljunic eigens komponierten Songs, die sowohl Clem als auch den Innocent Twins einerseits Tiefe und anderseits Komik verliehen.
Stuttgart-Bad Cannstatt